Industriekonzern (DAX) · Industrie / Fertigung
Ein unabhängiges Gutachten schafft Klarheit über eine gewachsene SAP-BW/HANA-Landschaft
Ein unabhängiges Gutachten ist dann am wertvollsten, wenn es niemandem gefallen muss - und sich trotzdem an harten Fakten festmachen lässt.
Ausgangslage
Ein DAX-Industriekonzern betreibt für sein Supply-Chain-Management eine mehrere Terabyte große Analyselandschaft auf SAP BW (dem Data Warehouse) und der In-Memory-Datenbank HANA, seit Jahren durch einen externen Dienstleister betrieben. Der Fachbereich meldete wachsende Zweifel an Stabilität und Steuerbarkeit: langsamere Berichte, schwer nachvollziehbares Verhalten in der Planung, und intern kaum noch jemand, der die über Jahre gewachsene Architektur vollständig überblickte.
Uns wurde die Rolle des unabhängigen Gutachters übertragen - mit dem Auftrag, den Zustand der Landschaft strukturiert und faktenbasiert zu bewerten, nicht ihn zu beschönigen. Drei Parteien, drei Interessen: der Fachbereich, der Antworten wollte; der Dienstleister, der seine Arbeit verteidigte; und eine neutrale Instanz dazwischen, die weder am System noch am Vertrag hängt.
Vorgehen
Die Landschaft wurde entlang von acht Dimensionen untersucht - von den Systemständen über Datenladung, Anreicherung, Stammdaten, Speicher und Modellierung bis zu Planung, Frontend und Berechtigungen. Jede Dimension wurde nach demselben Muster beurteilt: Befund, Empfehlung, Aufwand und erwartete Wirkung. Bewusst getrennt, damit sichtbar wird, was dringlich ist und was nicht, und was Aufwand kostet und was nicht.
Bewertung im Überblick
Von acht bewerteten Dimensionen war eine im Zuge des Gutachtens bereits behoben, fünf verlangen Beobachtung, zwei unmittelbares Handeln. Die Tabelle verdichtet dabei zahlreiche Einzelbefunde auf acht Dimensionen und nennt je Dimension nur das zentrale Risiko.
| Dimension | Status | Aufwand | Kernrisiko |
|---|---|---|---|
| Systemstände & Releases | Handlungsbedarf | mittel | Releases mehrere Stände zurück - Upgrade kurzfristig eingeplant. |
| Datenladung & Integration | Beobachten | langfristig | Lauffähig, doch die bestehende Integrationsstrecke strategisch am Ende. |
| Datenanreicherung | Beobachten | mittel - hoch | Kein Monitoring der Anreicherungslogik; Fehler spät sichtbar, Undo teuer. |
| Stammdaten & Prozessketten | Beobachten | mittel | Stammdatenpflege stark über Prozessketten (geplante Ladeläufe) und manuelle Eingaben getrieben - Datenqualität hängt an wenigen Stellen. |
| HANA-Setup & Speicher | Behoben | gering | Speicher außer Kontrolle, QA blockiert - im Gutachten bereinigt. |
| Modellierung (HANA & BW) | Beobachten | mittel | Über Jahre gewachsen, Gesamtsicht fehlt. |
| Planung & Frontend | Beobachten | mittel | Planungslogik schwer nachvollziehbar, Frontend-Alternativen zu prüfen. |
| Berechtigungen | Handlungsbedarf | mittel | Berechtigungskonzept kurzfristig nachzuschärfen. |
Zwei Befunde im Detail
Das Gutachten umfasste weit mehr Einzelpunkte, als sich hier zeigen lassen. Zwei greifen wir exemplarisch heraus - einen bereits behobenen und einen noch offenen:
- Befund
- Die HANA-Datenbank belegte rund 4,2 TB auf der Platte bei nur etwa 1,2 TB genutztem Arbeitsspeicher - Tendenz weiter steigend, sodass Plattenkapazität nachgezogen werden musste. Ursache war im Kern eine einzelne, rund 2,5 TB große Tabelle mit Ladezwischendaten, die nie bereinigt wurde. Betrieblich am schwersten wog die Folge: Eine Kopie der Produktion in die QA-Umgebung (das Testsystem) war nicht mehr möglich - Tests liefen ohne belastbares Abbild der Produktion.
- Empfehlung
- Die Zwischenschicht bereinigen und einen regelmäßigen Reclaim (das planmäßige Freigeben belegten Speichers) etablieren, terminiert außerhalb der Geschäftszeiten, um die Systemlast gering zu halten.
- Aufwand
- Gering. Kein Aufwand auf Fachseite; der Betriebsdienstleister identifiziert obsolete Daten und Tabellen, der Infrastrukturpartner gibt den Speicher anschließend frei.
- Wirkung
- Speicherbedarf von rund 4,2 auf etwa 1 TB gesenkt. Kürzere Backup-Zeiten, spürbar höhere Stabilität - und eine wieder herstellbare QA-Umgebung.
- Befund
- Nach dem Laden werden die Daten in HANA über viele kaskadierte Stored Procedures (automatisierte Datenbank-Routinen) angereichert, gesteuert durch manuell gepflegte Werte aus einem fachlichen Anreicherungswerkzeug. Nur wenige berechtigte Fachexperten dürfen diese Werte ändern; die Änderungen werden protokolliert. Was fehlt, ist ein übergreifendes Monitoring der Anreicherung selbst: Bei fehlerhaften Eingaben oder fehlerhaft laufenden Prozeduren werden Fehler nicht früh erkannt - und ein Rückabwickeln wäre komplex und teuer.
- Empfehlung
- Ein schlankes Monitoring einführen - Laufzeit und Anzahl verarbeiteter Objekte je Prozedur in einer separaten Tabelle protokollieren (wenige Zeilen je Prozedur). Die Auswertung schafft Transparenz über Verarbeitung und Performance und macht Engpässe sichtbar und optimierbar.
- Aufwand
- Mittel bis hoch. Abhängig davon, ob die bestehende Verarbeitung ein solches Monitoring trägt oder dafür angepasst werden muss.
- Wirkung
- Die Datenqualität hängt heute stark an manueller Interaktion - eine dauerhafte Fehlerquelle. Das enge Berechtigungsmodell begrenzt das Risiko, beseitigt es aber nicht. Ohne Monitoring bleibt ein blinder Fleck genau dort, wo Datenqualität entsteht.
Empfehlung: Vorgehen in drei Horizonten
Kurzfristig. Systemstände aktualisieren (Upgrade) und das Berechtigungskonzept nachschärfen - beides mit unmittelbarer Wirkung auf Stabilität und Sicherheit.
Mittelfristig. Die Planungslogik überarbeiten, Alternativen im Frontend prüfen und das Monitoring der Anreicherung einführen.
Langfristig. Die Analyseschicht in Richtung einer modernen Datenplattform (Data-Lake-Integration) weiterentwickeln und die bestehenden Werkzeuge für Datenintegration ablösen.
Am Ende stand kein Urteil über Personen oder Dienstleister, sondern eine belastbare Entscheidungsgrundlage: was sofort behoben gehört, was zu beobachten ist und wo die Architektur grundsätzlich neu gedacht werden sollte. Genau das ist die Aufgabe eines unabhängigen Gutachtens.
Diese Bewertung bieten wir als eigenständige Leistung an - das unabhängige Gutachten als neutrale Standortbestimmung für SAP-, Daten- und KI-Landschaften.
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