Kolumne · Klartext aus dem Maschinenraum
Sie kommen von der Uni und treffen auf 1999.
Vor ein paar Wochen hat mir eine Absolventin erzählt, wie ihre erste Woche in der IT eines großen Unternehmens aussah. Im Studium hatte sie mit Sprachmodellen gearbeitet, kleine Agenten gebaut, Datenpipelines in der Cloud aufgesetzt. Am ersten Tag bekam sie einen SAP-Zugang, eine Liste mit Transaktionscodes und den Hinweis, dass der Kollege, der das alles erklären könne, im Oktober in Rente gehe.
Sie hat mich gefragt, ob das überall so ist. Ich habe ehrlich geantwortet. In den meisten Häusern, die ich kenne, ja.
Ich finde es wichtig, an dieser Stelle etwas klarzustellen. Diese junge Frau hat kein Problem mit Arbeit, mit Verantwortung oder mit komplexen Systemen. Sie hat ein Problem damit, dass die Oberfläche, mit der sie arbeiten soll, im Kern aus einer Zeit stammt, in der ihre Eltern ihren ersten Internetanschluss bekommen haben. Die Transaktion, die sie bedienen soll, hat über zwanzig Jahre lang Felder dazubekommen und nie eines verloren. Was welches Feld bedeutet, steht nirgends. Es steht im Kopf des Kollegen, der im Oktober geht.
Man nennt das gern die Generation TikTok, und meistens klingt das abwertend. Ich sehe das anders. Diese Generation ist mit Werkzeugen aufgewachsen, die man am ersten Tag versteht. Sie hat nie gelernt, dass man ein Programm erst nach einem halben Jahr Schulung bedienen darf, und ich halte das für einen gesunden Anspruch. Wenn ein System diesen Anspruch nicht erfüllt, dann liegt das am System.
Für die Unternehmen ist das kein Stilproblem. Es ist ein Risiko. Das Wissen, welche Buchung wohin führt und welche Ausnahme im Werk Süd anders behandelt wird als im Werk Nord, konzentriert sich auf eine Handvoll Menschen zwischen 55 und 65. Ihre Nachfolger kommen mit anderen Erwartungen und oft anderen Fähigkeiten, und sie bleiben nicht, wenn die ersten Monate aus Masken und Schulungsfolien bestehen. Ich habe erlebt, wie ein mittelständisches Unternehmen innerhalb von zwei Jahren drei junge Leute an derselben Stelle verloren hat. Nicht wegen des Gehalts. Wegen der Transaktion.
Die übliche Antwort darauf lautet, dass man eben warten müsse, bis die große Migration kommt, mit neuen Oberflächen und neuem Komfort. Ich halte das für die teuerste Antwort, die es gibt. Sie kostet drei Jahre, in denen die Erfahrenen gehen und die Jungen nicht ankommen.
Es gibt einen anderen Weg, und wir gehen ihn mit unseren Kunden seit einigen Monaten. Man lässt das System, was es ist, nämlich die verlässliche Buchhaltung des Unternehmens, und legt eine Schicht darüber, die in natürlicher Sprache funktioniert. Die Absolventin fragt in Teams, welche Rechnungen eines Lieferanten noch offen sind, und bekommt die Antwort aus dem SAP, mit ihren Berechtigungen und ohne einen einzigen Transaktionscode. Das Wissen, das bisher im Kopf des Kollegen steckte, wird dabei Stück für Stück in Funktionen übersetzt, die jeder nutzen kann. Genau dafür haben wir Xient Bridge gebaut.
Ich will das nicht größer machen, als es ist. Eine Bridge ersetzt keine Ausbildung, und sie macht aus einer Absolventin keine Bilanzbuchhalterin. Aber sie ändert die erste Woche. Sie macht aus einem System, das abschreckt, eines, mit dem man reden kann. Und sie gibt den Erfahrenen die Möglichkeit, ihr Wissen abzulegen, bevor sie gehen, statt es mitzunehmen.
Die Absolventin arbeitet übrigens noch dort. Sie hat mir vor kurzem geschrieben, dass sie den Kollegen inzwischen gefragt hat, ob er ihr erklärt, warum die Buchungen im Werk Süd anders laufen. Er hat sich gefreut, sagt sie. Es hatte ihn lange niemand mehr gefragt.